Wayss & Freytag wird zur weltweit aktiven Unternehmensgruppe. Neue Aufgabenbereiche kommen hinzu: Umwelttechnik, Bauwerkserhaltung und Consulting. In der Schildtechnologie werden neben Hydro- und Mixschilden auch Erddruckschilde und Hartgesteins-TBM eingesetzt. Die Schildtechnik in wasserführenden Lockerböden erschließt neue Möglichkeiten im Tunnelbau.
Der „Ginnheimer Spargel“

331 m hoher Fernmeldeturm in Frankfurt am Main
Mit den beim Bau hoher Schornsteine und verschiedener Fernmeldetürme gewonnenen Erfahrungen errichtete die Wayss & Freytag AG in einer Arbeitsgemeinschaft mit technischer Federführung den Fernmeldeturm in Frankfurt, den „Ginnheimer Spargel“, wie er im Volksmund genannt wird. Zur Zeit seiner Fertigstellung war dieser Fernmeldeturm mit 331 m Höhe der zweithöchste in Deutschland, nur übertroffen von dem auf der anderen Seite der Mauer stehenden Turm am Alexanderplatz in Ostberlin.
Der Frankfurter Turm steht auf einem Kreisringfundament mit 48 m Durchmesser und 18 m Dicke. Sein Schaftdurchmesser beträgt am Fuß 20 m und am Kopf 5,60 m, wobei die Schalendicke mit 55 cm weitgehend über die Höhe konstant bleibt. In 211 m Höhe setzt eine sechsgeschossige Kanzel an, die bis zur Kote + 237 m reicht. Die Kanzel hat einen maximalen Außendurchmesser von 57,30 m, ihre Decken wurden in Stahlverbundbauweise hergestellt.
Der Turmschaft und das Schachtbauwerk für die Aufzüge und Fluchttreppen im Innern wurden mit einer Kletterschalung gleichzeitig hochgezogen. Durch Vorspannung der Außenschalung konnte eine ausgezeichnete Sichtbetonstruktur erzielt werden. Eindrucksvoll ist auch das futuristisch anmutende Basisgebäude am Fuß des Turmes, in dem sich die Betriebsgebäude, eine eigenes Kraftwerk und die Repräsentativräumlichkeiten für den Publikumsverkehr befinden.
Von 1989 bis 1997 wurden im Turm Partys in dem dort beheimateten Club gefeiert. Im Turm befand sich bis 1999 auch ein Drehrestaurant. Beides ist nicht mehr in Betrieb. Als Nachfolgerin der Deutschen Bundespost betreibt heute die Deutsche Telekom den Turm.
Höher als das Freiburger Münster

Die Kochertalbrücke bei Geislingen
Mit 185 m Höhe über Talgrund ist die Kochertalbrücke bei Geislingen die höchste (Balken-)Brücke Deutschlands und nach dem Viaduc de Millau in Frankreich die zweithöchste in Europa. Das unter technischer Federführung der Wayss & Freytag AG zwischen 1977 und 1979 erstellte Spannbetonbauwerk überführt auf 1128 m Länge die Bundesautobahn A 6 zwischen Heilbronn und Nürnberg.
Als 31 m breiten Überbau für beide Richtungsfahrbahnen wählten die Konstrukteure einen einzelligen Hohlkasten, der im Freivorbau ausgeführt wurde. Hierbei arbeiteten sich zwei Vorbauwagen von einem Pfeiler aus zu den Feldmitten vor, um dann auf den nächsten Pfeilerkopf umgesetzt zu werden. Die kurze Bauzeit von nur 22 Monaten erforderte den gleichzeitigen Bau von beiden Widerlagern aus.
Zur Gründung der Pfeiler im zerklüfteten Muschelkalk musste der Untergrund in einigen Bereichen mit Zementinjektionen verbessert werden, in anderen Bereichen waren 45 m tiefe Schächte abzuteufen, um tragfähigen Boden zu erreichen. Die Pfeiler selbst wurden in Kletterschalung hochgezogen. Zur Stabilisierung mussten die vier Mittelpfeiler in den Überbau eingespannt werden, sodass sich in Brückenlängsrichtung als statisches System ein Rahmentragwerk ausbildet.
Im Sable d’Osticourt

Ein Mixschild bohrt die Metro Lille
Das Los 3 der Metro Lille verbindet auf 3540 m Länge die Haltestellen „Petite Chapelle“ und „Maison des Enfants“. Die mit einer Tunnelvortriebsmaschine der Bauart „Mixschild“ aufgefahrene Tunnelröhre hat einen Außendurchmesser von 7,70 m und eine minimale Überdeckung von 10 m. Neben dem Tunnel waren sechs Bahnhöfe in Deckelbauweise herzustellen. Die Baumaßnahmen begannen Anfang 1985 und endeten im Frühjahr 1988.
Der von Wayss & Freytag entwickelte und von der Firma Herrenknecht in Schwanau gebaute Mixschild arbeitet wie die Hydroschilde mit einer durch Flüssigkeit gestützten Ortsbrust. Der Flüssigkeitsdruck wird hierbei durch Druckluft geregelt. Das Schneidrad ist so gelagert, dass auf Trockenförderung umgerüstet werden kann. Der vom Schneidrad gelöste Boden wurde hydraulisch gefördert. Trotz der in Lille anstehenden sehr unterschiedlichen Böden wie Kreide, Mergel, Schluff und Sand (Sable d’Osticourt) verlief die Schildfahrt problemlos und zielgenau.
Die Tunnelröhre ist mit 35 cm dicken und 1,20 m breiten Tübbingen einschalig ausgekleidet. Jeder Ring besteht aus sieben etwas über 3,0 m langen Tübbingen und einem keilförmigen Schlussstein. Zur Maßhaltigkeit bei Kurvenfahrten wurden links- bzw. rechtskonische Ringe eingebaut. Die Maßgenauigkeit eines jeden Tübbings betrug ± 0,5mm.